Totfund von vier Rotmilanen ( Milvus milvus ) in den Landesforsten bei Daldorf / Blunkerbach. Gifteinsatz bestätigt !

 

 

29.07.18 – Leibnitz Institut bestätigt Gifteinsatz

Am 20.06.2018 wurden von Mathias Krause im Bereich Blunkerbach unter einem Horstbaum zwei bereits tote Rotmilan- Jungvögel aufgefunden. Ein drittes Jungtier rang an der gleichen Stelle liegend noch mit dem Leben, verendete dann aber auf der eilig organisierten Fahrt in die Tierklinik Wasbek.

Bereits in der Klinik wurde aufgrund der Untersuchungssymptome durch den Veterinärmediziner Dr. Frahm der Einsatz von Gift vermutet und eine toxikologische Untersuchung empfohlen. Die drei Vögel wurden daraufhin in das Leibnitzinstitut nach Berlin zur pathologischen und toxikologischen Untersuchung verbracht.

Am 26.06.18 entdeckte dann Andrea Wätjen ein totes Elterntier auf einem Feld in der Nähe des Horstes, das ebenfalls äußerlich erkennbare Vergiftungssymptome aufwies. Dieser Altvogel wurde von der herbeigerufenen Polizei nach Rücksprache mit dem LLUR in das Landeslabor SH nach Neumünster verbracht um dort untersucht zu werden.

Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung der drei Jungvögel liegen nun vor. Demnach handelt es sich um eine Vergiftung mit dem Insektizid „Parathion“, das besser unter dem Namen E605 bekannt ist.

Parathion ( E605 ) ist eine Flüssigkeit, die äußerst toxisch gegen Insekten und Warmblüter wirkt, aber keine Giftwirkung bei Pflanzen zeigt. Das Insektizid E605 wirkt als Kontaktgift bereits bei Berührung mit der Haut. Es kommt zu Erbrechen, Durchfall, Atemlähmung und Krämpfen. Die Giftigkeit erklärt sich auch durch die chemische Verwandtschaft mit den

chemischen Kampfstoffen Tabun, Sarin und Soman.
http://www.chemie.de/lexikon/Parathion.html

E605 ist seit 2002 nicht nur in Deutschland, sondern Europaweit verboten! Die Giftigkeit ist so groß, dass ein Kauf des Insektizids schon vor 2002 nur unter Vorlage der Personaldaten möglich war.

Mutmaßliche Vergiftungssymptome wurden auch bei dem nur wenige Tage später entdeckten Altvogel festgestellt. Dieser Vogel wurde nur wenige hundert Meter vom Horst in deutlich abnormal verkrampfter Haltung aufgefunden. Die Fütterung seiner Nestlinge kann ihn schon ohne ein eigenständiges Verschlucken des Giftköders das Leben gekostet haben. Die Untersuchungsergebnisse stehen noch aus.

Es scheint unverkennbar, dass hier eine Person (oder Personen) mit einer ganz erheblichen kriminellen Energie tätig war und eine Vergiftung beabsichtigte. Die immer wieder geäußerte Annahme, hier sei möglicherweise eine Greifvogelvergiftung so quasi als Kollateralschaden bspw. einer Rattenvergiftungsaktion„passiert“ und nicht zielgerichtet vorgenommen worden, ist durch die Faktenlage absolut abwegig geworden.

Die kundige Handhabung eines Giftstoffs, der zudem in Europa verboten ist und dessen außereuropäischer Einkauf Kenntnisse verlangt, über die nicht jedermann verfügt, weist auf einen Vorsatz hin, genau das zu tun, was hier geschehen ist:
Eine absichtsvolle und geplante Greifvogeltötung.

Die Motive des oder der Täter bleiben,  solange keine Person gefasst ist, im Dunkeln.

Folgerungen:

  1. Die Rattengiftthese ( Sekundärvergiftungsthese ) ist nicht mehr haltbar. Unzweifelhaft, dass eine vorsätzliche Straftat aus niederen Beweggründen vorliegt.
    Wir erkennen hier einen gezielten Anschlag auf die Rotmilane am Blunkerbach, der spezielles Wissen erforderte.
  2. Am 06.09.2018 treffen Vertreter der Naturschutzgemeinschaft mit Vertretern der Landesforsten SH zusammen, um eine Aussprache zu führen. Die Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach erwartet bei der Verwendung der durch sie erhobenen Daten zukünftig einen nachweisbar zuverlässig zu organisierenden Zugriffs- und Datenschutz. Weiter fordern wir einen ganzjährigen 300 Meter Umgebungsschutz um die Horstbäume, um Ruhezonen für die streng geschützten Rotmilane zu sichern und um den Horststandort entwertenden Holzeinschlag in der Nähe der Horstbäume zu verhindern. Wir erhoffen uns von den Landesforsten Schleswig-Holstein, die hier großen Waldbesitz der Stadt Hamburg bewirtschaftet, ein „starkes Signal“ pro Rotmilan, Mäusebussard und anderer Greifvögel.
  3. Ferner ist die Landespolitik aufgefordert, nach dem Vorbild von NRW eine Stabsstelle Umweltkriminalität beim Ministerium anzusiedeln, die ebenfalls zur Bekämpfung der Greifvogelverfolgung einzurichten wäre. Nur durch eine professionelle Zusammenarbeit der zuständigen Strafverfolgungsbehörden kann sichergestellt werden, dass alle rechtlichen Möglichkeiten zur Aufklärung dieses Naturfrevels ausgeschöpft werden und Täter sowohl überführt wie auch angemessen bestraft werden. Es braucht fachkompetente Personen die landesweit diesem strafbaren Tun übergeordnet Einhalt gebieten und über Professionalität und geeignete Mittel verfügen, die örtlichen Polizeidienststellen und die Staatsanwaltschaft bei der schwer verfolgbaren Straftatermittlung zu unterstützen oder auch anzuleiten. Leider muss man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer dieser Straftaten – also gänzlich unentdeckte Fälle der Greifvogelverfolgung – die erkannten Fälle um das Vielfache überschreitet.
  4. Zudem ist die Öffentlichkeit aufgerufen, diese Tötungsdelikte nicht abzutun, sondern bei der Verfolgung der Täter aktiv mitzuwirken. Wir möchten noch einmal darauf hinweisen, dass derzeit eine Belohnung von insgesamt 2500 € ausgewiesen sind, die für Hinweisgeber und Hinweisgeberinnen, die an der Ergreifung der/des Täters erfolgreich mitwirken, ausgegeben werden können:
  • Wer kann Hinweise auf den Giftstoff Parathion / E605 geben?
  • Wer hat Kenntnis von Personen, die dieses Gift lagern, bestellten oder weitergegeben haben?
  • Wer stellt Vögeln nach?

Melden Sie sich mit ihrem Wissen bei der ermittelnden Polizei Bad Segeberg, die dringend Hinweise aus der Bevölkerung braucht, unter Tel.: 04551 – 8840.

Die illegale Tötung von Greifvögeln ist nicht hinzunehmen, daher ruft die Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach alle Rotmilan- und Naturfreunde, Jäger dazu auf, im eigenen Lebensbereich aktiv zu werden und sich am Greifvogelschutz zu beteiligen.

 

Andrea Wätjen, Mathias Krause, Lars Lorenzen, Nils Kuhnert


 

20.06.18 – Totfund von Rotmilanen.

Auf dem Gemeindegebiet kam es am Abend des 20.06.2018 zu einem grauenvollen Fund.Zwei junge Rotmilane lagen tot unter ihrem Horst, ein dritter Jungvogel lebte noch, verstarb aber kurze Zeit später auf dem eilig eingeleiteten Weg in die Tierklinik. Alle drei toten Tiere weisen Symptome einer Vergiftung auf.

Am 26.06.18 wurde in unmittelbarer Nähe des Horstes ein ausgewachsener Rotmilan ebenfalls tot geborgen.

Eine Woche zuvor fehlte auf einem zweiten Rotmilan-Horst in der Region sowohl von zwei Nestlingen als auch von den Altvögeln jede Spur.

 

Was genau passierte, kann nur noch anhand der Faktenlage rekonstruiert werden.

Die Horststandorte von Mäusebussard und Rotmilanen in der Region waren von der Naturschutzgruppe bewusst nicht veröffentlicht worden da dies aufgrund der in anderen Gebieten bekannt gewordenen Greifvogelverfolgung geboten schien. Allzu häufig wird geschützten Greifvögeln nachgestellt, wenn Horststandorte insbesondere vom Rotmilan, mit ihrem 1,5 Km Schutzradius den Planungsvorhaben von Begünstigten der Windkraftenergie im Wege stehen. Dennoch mussten die sensiblen Informationen an die zuständigen Fachstellen übermittelt werden, damit die Landesplanung SH diese bekannt gemachten Standorte für ihre weitere Ausweisung von Windenergieflächen berücksichtigen kann. Diese Bekanntgabe der sensiblen Daten stellte sich als ein dramatischer Wendepunkt heraus.

Versuch einer Rekonstruktion:

  • Am 30.04.2018 entscheidet sich die Naturschutzgruppe zu einer ersten offiziellen Meldung von zwei Rotmilan-Brutstandorten mit GPS-Koordinaten und Bildern der brütenden Vögel an die Vogelwarte des Landesamts (LLUR) und zeitgleich an die Untere Naturschutzbehörde Segeberg.
  • Parallel findet eine Eintragung in die Onlinedatenbank ornitho.de in einem geschützten Modus statt, die nur von ausgewiesenen Fachleuten eingesehen werden kann.
  • Am 07.06.2018 besuchen die Rotmilan-Experten Dr. Hans Wirth und Ursula Berger die aktiven Rotmilanhorste. Zu diesem Zeitpunkt können in einem Horst Jungvögel entdeckt werden, am anderen nicht einsehbaren Horst weisen typische Spuren auf einen vitalen Brutplatz hin.
  • Am 12.06.2018 teilt die Vogelwarte des LLUR die sensiblen Daten der Standorte der zuständigen Revierförsterei der Landesforsten mit, damit die Försterei die Bäume im Rahmen ihrer Bewirtschaftungsaufgabe nicht versehentlich antastet. Die Försterei nimmt daraufhin die Horste in Augenschein und pflegt die Daten in ihr internes System ein.
  • Am 17.06.2018 wird das Verschwinden der Elterntiere an einem der Horste bemerkt. Um sich zu vergewissern, intensiviert die Naturschutzgruppe die Beobachtung und stellt schließlich den Verlust der beiden Jungtiere fest, zunächst ohne die Jungtiere am Boden zu finden. Das Brutvorhaben scheint aufgegeben zu sein. In einer ersten Deutung wird der Verlust der Jungvögel durch natürliche Feinde wie Habicht oder Uhu erwogen und die Abwesenheit der Elterntiere als natürliche Reaktion auf den Verlust der Brut gewertet.
  • Ebenfalls am 17.06.2018 werden an dem anderen Horst die Jungvögel wie gewohnt von den Elterntieren durch regelmäßige Anflüge versorgt. Brut und Altvögel wirken wie gewohnt sehr vital.

Horstsituation vom 17.06.2018 ( Foto: Mathias Krause )

  • Am 20.06.2018 gegen 19.30 Uhr findet der zur Naturschutzgruppe gehörende Mathias Krause auf einem Kontrollgang zwei tote und einen noch schwach lebenden Jungvogel direkt unterhalb des Horstbaumes. Eine Katastrophe zeichnet sich ab. Die eilig herbeigerufene Gruppe der Naturschützer ist fassungslos angesichts dieser Situation, denn die Lage vor Ort weist auf eine Vergiftung der Tiere hin.
  • Ein noch halblebend am Boden liegender Nestling wird umgehend nach Wasbek in die Tierklinik Dr. Frahm gebracht. Auf dem Weg dorthin verendet auch dieser Vogel und es kann nur noch der Tod dieses dritten, fast erwachsenen Jungvogels festgestellt werden.

 

Eine erste in Augenscheinnahme durch Dr. Frahm weist auch hier auf typische Vergiftungssymptome hin:

  • Erwürgte Futterreste im Schlund und Schnabel weisen auf Versuche des Vogels hin, die vergiftete Nahrung wieder herauszuwürgen.
  • verkrampfte Fänge können ein Resultat der Wirksamkeit des Giftes sein
  • ein ansonsten guter Ernährungszustand der Jungvögel spricht für eine zuvor vitale und solide Ernährungssituation der Jungvögel
  • augenscheinlich haben sie keine äußeren Verletzungen, die auf einen Kampf zwischen verschiedenen Raubvogelarten hindeuten könnten
  • die Rückenlage der toten Vögel auf dem Boden verweist auf die direkte Wirksamkeit eines Giftes noch während der Nahrungsaufnahme. Die vergifteten Vögel sterben sofort und fallen einfach rücklings zu Boden.
  • mehrere tote Vögel auf engem Radius direkt unterhalb des Horstes deuten ebenfalls auf eine Vergiftung der Jungtiere hin, da die Verteilung bei der Fütterung an die Jungtiere direkt und nacheinander geschieht.

Fundsituation direkt unter dem Horstbaum (Foto: Krause)

Fundsituation direkt unter dem Horstbaum. ( Foto: Mathias Krause )

 

  • Noch in der Nacht des 20. Juni erstattet die Naturschutzgruppe „Strafanzeige gegen Unbekannt“ bei der Polizeistation Bad Segeberg.
  • Am 22.06.18 treffen sich zur Inspektion an den beiden Horsten zwei Vertreter der Naturschützer mit dem Leiter der Vogelwarte Dr. J. Kieckbusch und dem Revierförster D. Gensing, um ggf. verendete Tiere mithilfe eines versierten Baumkletterers aus den Horsten zu entnehmen, damit sich keine weiteren Tiere von möglicherweise im Nest liegenden und ebenfalls vergifteten Kadavern der Altvögel erneut vergiften.
    Dabei wird überraschend erkennbar, dass ein vierter Jungvogel im Nest verblieben war und überlebt hat. Von einer Entnahme beschließt die Gruppe vorerst abzusehen, um den möglicherweise noch eintreffenden Elterntieren die Ernährung des letzten Jungvogels zu ermöglichen.
  • Weitere Stunden der Beobachtung durch die Naturschutzgruppe folgen; nach 10 Std. Beobachtung ohne Sichtung eines Elterntiers entscheiden die Naturschützer am 24.06.18, den Leiter der Vogelwarte um Entnahmeerlaubnis zu bitten.
  • Der in der Zwischenzeit bereits erheblich abgemagerte Vogel wird mithilfe eines versierten Baumkletterers aus dem Nest geholt und anschließen von der Naturschutzgruppe in die Greifvogelpflegestation des Wildparks Eekholt verbracht.

Die Indizien sprechen für eine gezielte oder zumindest in Kauf genommene Vergiftung. Der vierte Jungvogel hat mit großer Sicherheit nur überlebt, weil er von dem vergifteten Futter nichts mehr abbekommen hatte. Das vollständige Verschwinden der Elterntiere, ohne die weitere Pflege des letzten Nestlings, lässt tragischerweise vermuten, dass auch die beiden Elterntiere von der vergifteten Nahrung zu sich genommen haben und ebenfalls daran verendet sind.

Die Gesamtlage lässt rückblickend nun auch die traurige Vermutung zu, dass das Verschwinden der Brut sowie der Altvögel des ersten Horstes ebenfalls nicht auf natürliche Weise geschah. Vergiftete Vögel werden in den seltensten Fällen gefunden, denn die verendeten Tiere werden auf dem Boden liegend in der Regel schnell vom Fuchs entdeckt und in seinen Bau getragen. Die Spuren der Vergiftung sind damit verschwunden.

So ist es möglich, dass nach dieser noch toxikologisch nachzuweisenden Vergiftung insgesamt 9 Rotmilane getötet sind!

Doch vier der Rotmilane der Blunkerbach-Niederung konnten gefunden und sichergestellt werden und drei wurden einem renommierten Untersuchungslabor in Berlin überstellt, sodass in wenigen Wochen die durch vielfältige Indizien angenommene Vergiftung auch medizinisch nachgewiesen werden kann.

Antworten auf diesen perfiden Angriff auf den Lebensraum an der Blunkerbach-Niederung ?

Wenn Naturschützer Daten sammeln, stößt dies nicht nur auf Gegenliebe, denn diese Daten sind je nach Güte durchaus in der Lage, industrielle Großprojekte zu beeinflussen. Für die Planung von Windvorranggebieten in Schleswig-Holstein sind insbesondere die Horste eines Rotmilans durchaus ein ernst zu nehmendes Problem, denn Rotmilane zeigen gegenüber den Windkraftanlagen kein „Meideverhalten“ und werden häufig zu Schlagopfern.  Ca. 60 % der gesamten Rotmilan-Population weltweit brütet in Deutschland. Daher rührt sein strenger Schutzstatus und die große Verantwortung Deutschlands für den Schutz dieses besonders wertvollen Vogels. Investoren und Begünstigte der Windkraftindustrie haben verschiedensten Pressemitteilungen zufolge immer wieder einen ernsten Konflikt mit der Anwesenheit dieser Vögel, weil in einem Radius von 1,5 km um die Horste herum keine Windkraftanlagen gebaut werden dürfen. So hätten die beiden betroffenen Horste eine Windkraftvorrangfläche in der Blunkerbach-Niederung und auch eine Fläche auf dem Daldorfer Geestrücken ernstlich tangiert.

Auch Geflügelfreunde, bzw. Geflügelzüchtersind nach Erfahrung von Fachleuten oftmals feindlich gegenüber Greifvögeln eingestellt. Dies ist besonders beim Rotmilan unangebracht, da er in den Blunker Bachwiesen bereits ein sehr gutes Nahrungshabitat vorfindet, wie sich daran zeigt, dass in einem Horst 2 und in dem anderen Horst 4 Jungtiere aufgezogen wurden.

Nach Ansicht der Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) werden auch immer wieder Jäger als Verfolger von Greifvögeln genannt. Es scheint bundesweit unter Jägern immer noch ein uraltes Vorurteil gegen Greifvögel zu geben. Hier sind sowohl die Jagdausbilder wie auch die aufgeklärten Jäger und Jägerinnen gefragt, in ihren Gemeinschaften für eine respektvolle Haltung gegenüber den Greifvögeln zu werben und diese uralten Vorbehalte endgültig zu überwinden. In ein gesundes Ökosystem gehören Greifvögel genauso wie das Wild, der Wald und die feuchten Wiesen.

Dem Täter drohen bis zu 5 Jahren Haft

Alle in Deutschland heimischen Greifvogel- und Eulenarten unterliegen dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Sie dürfen nicht getötet, gefangen oder auf andere Art und Weise verfolgt werden. Sie gehören zu den streng geschützten Vogelarten im Sinne von § 7 Abs. 2 Nr. 13- 14 BNatSchG in Verbindung mit Anhang A der Verordnung (EG) Nr. 338/97. Für wildlebende Exemplare bestehen weitreichende gesetzliche Fang-, Tötungs-, Stör-, Besitz- und Vermarktungsverbote.

Bei streng geschützten Arten wie dem Rotmilan stellt jede Art der Nachstellung (etwa durch das Aufstellen von Fangeinrichtungen und jede Art der Tötung durch Abschuss oder Gift) gemäß § 71 Abs. 2 in Verbindung mit § 69 Abs. 2 Nr. 1, § 44 Abs. 1 BNatSchG eine Straftat dar, die mit bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

Offene Fragen

Dieser Fall zeigt ganz aktuell, wie sensibel Daten über die Standorte von aktiv bebrüteten Horsten sind. Immer wieder kommt es in Deutschland im Rahmen der Ausweisungen von Windeignungsgebieten zu Greifvogelverfolgungen. Hier stehen in der Regel monetäre Interessen im Vordergrund.

Zeugenaufruf

Wer im Zeitraum 18.-20.Juni 2018 im Bereich Daldorf, Alt Erfrade, Pettluis, Brandsmühle, Blunkerbach-Niederung verdächtige Beobachtungen gemacht hat oder andere sachdienliche Hinweise zur Aufklärung geben kann, wende sich bitte an die Polizeistation Bad Segeberg, Telefon 04551 8840. Hinweise, die zur Ergreifung der/des Täters führen, werden mit bis zu 2500,- Euro belohnt.

Es soll weiterhin ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass präparierte Giftköder auch Hunde und Katzen schwer verletzen oder gar töten können. Bitte achten Sie daher auch auf in der Natur herumliegende tote Tiere (z.B. Tauben, Hühnervögel, etc.) oder bspw. Fleischreste, die auch von Haushunden oder Katzen aufgenommen werden können. Die vergifteten Köder sollten gemeldet und nur mit Handschuhen eingesammelt werden.

Wir hoffen auf sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung.

 

Andrea Wätjen, Mathias Krause, Lars Lorenzen, Nils Kuhnert


Horstsituation vom 17.06.2018